Beschreibung
Die Entschädigung der Verfolgten des Nationalsozialismus bildet einen zentralen Aspekt der Auseinandersetzung mit dem "Dritten Reich" nach 1945. Zudem hat sich die Wiedergutmachung für NS-Verfolgte mehr und mehr zu einem internationalen Präzedenzfall für andere Versuche, die Folgen von Diktaturen und staatlichen Gewaltverbrechen zu bewältigen, entwickelt. Das Thema ist deshalb nicht allein wichtig im Hinblick auf die Frage nach dem Umgang der Deutschen mit Nationalsozialismus und Zweitem Weltkrieg, sondern auch für die Entwicklung globaler Maßstäbe im Umgang mit historischem Unrecht. In dieser Studie wird erstmals die Politik der Wiedergutmachung in der alten und neuen Bundesrepublik sowie in der DDR umfassend dargestellt. Der Bogen reicht von ersten schon während des Krieges einsetzenden Überlegungen zur Entschädigung der Verfolgten bis zur Etablierung der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft", mit der seit 2000 endlich auch die osteuropäischen Zwangsarbeiter entschädigt werden. Somit untersucht Constantin Goschler die Wiedergutmachung gleichermaßen unter dem Gesichtspunkt der prägenden Bedingungen des Kalten Krieges wie unter dem seiner Überwindung. Welche allgemeine Bedeutung für den Umgang mit den Betroffenen staatlicher Großverbrechen besitzt also der in Deutschland unternommene Versuch, den NS-Verfolgten im Medium materieller Entschädigung zu begegnen? Im Mittelpunkt dieser Studie steht damit das Spannungsverhältnis von moralischer Schuld und materiellen Schulden.
Über Constantin Goschler
Constantin Goschler, geb. 1960, Privatdozent an der Humboldt-Universität Berlin, Lehr- und Forschungsaufenthalte am Institut für Zeitgeschichte München, an der Karls-Universität Prag, am Minda de Gunzburg Center for European Studies der Harvard Universität, Cambridge, Mass., an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der Ruhr-Universität Bochum sowie am Zentrum für Zeithistorische Forschungen in Potsdam. Veröffentlichungen: "Wiedergutmachung. Westdeutschland und die Verfolgten des Nationalsozialismus, 1945-1954" (München 2002); ""Arisierung" und Restitution. Die Rückerstattung jüdischen Eigentums in Deutschland und Österreich nach 1945 und 1990" (Mitherausg., Wallstein, 2002, ISBN 3-89244-495-1); "Rudolf Virchow. Mediziner, Anthropologe, Politiker" (Köln 2002); Raub und Restitution. "'Arisierung' und Rückerstattung jüdischen Eigentums in Europa", (Mitherausg., Frankfurt a.M. 2003).
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