Grauland. Lesung mit Helga und Wolfgang Kaes

„Zeit meines Lebens habe ich mich mit den katastrophalen Folgen von Verbrechen beschäftigt. Um den Opfern und den Angehörigen der Opfer eine Stimme zu geben. Manchmal kam dabei die Wahrheit ans Licht. [...] Nur vor der Beschäftigung mit dem Verbrechen in meiner eigenen Familie habe ich mich stets gedrückt.“ Aber: „niemand kann vor seiner eigenen Familiengeschichte davonlaufen“, schreibt Wolfgang Kaes im Vorwort seines Romans Grauland.

Wie die meisten Romane des 1958 in der Vulkaneifel geborenen Journalisten und Schriftstellers spielt auch sein neuester im Rheinland und doch ist er bemerkenswert anders. Inspiriert waren seine Bücher mitunter von Kriminalfällen, mit denen er sich auch als Chefreporter beim Bonner General-Anzeiger beschäftigt hatte. Von diesen Romanen unterscheidet sich Grauland, denn hier nähert er sich der eigenen Familiengeschichte und dem Mord an seinem Großvater. Erzählt wird zum Beispiel vom Kennenlernen der Großeltern oder von einer Schmuggeltour nach Luxemburg mit einer alten NSU, an die sich der Sohn des später Ermordeten so gut erinnern kann. Bis in die Gegenwart des jüngsten Familienmitglieds, Klaus Küper, der leicht als Autor des Romans und Enkel des Ermordeten zu erkennen ist, wird die Geschichte aus sechs sich abwechselnden Perspektiven erzählt.

Eine Aufklärung des Mordfalls sollten wir an diesem Abend nicht erwarten, doch durch die verschiedenen Erzählstimmen entsteht ein vielschichtiges Bild der Kriegs- und Nachkriegszeit, das deutlich macht, wie wichtig es ist, sich der eigenen Familiengeschichte und den Verletzungen zu stellen. Denn so eine Leerstelle beeinflusst auch das Leben der folgenden Generationen. Es ist tröstend zu sehen, dass Menschen wie Wolfgang Kaes nicht aufgeben, aufzuklären und unbequeme Fragen zu stellen.

Wolfgang Kaes, 1958 in der Kleinstadt Mayen in der Eifel geboren, finanzierte sein Studium der Politikwissenschaft als Waldarbeiter, Hilfsarbeiter im Straßenbau, Lastwagenfahrer und Taxifahrer. Er schrieb Reportagen für den Stern, Die Zeit und das Zeit Magazin. 2012 kürte ihn eine Jury der Fachzeitschrift Medium-Magazin in Berlin zum »Reporter des Jahres«, 2013 erhielt er in Hamburg den Henri-Nannen-Preis in der Katagorie »Investigative Recherche«. Seit 2003 verarbeitet er seine journalistischen Recherchen auch zu Romanen. Kaes war viele Jahre Chefreporter des Bonner General-Anzeigers, bevor er 2020 entschied, sich künftig ganz dem Bücherschreiben zu widmen.
www.wolfgang-kaes.de

Helga Kaes, studiierte 2016 – 2020 Bildhauerei – Plastik, Skulptur und Installation bei Paul Advena in Bonn. Sie arbeitet mit unterschiedlichen Werkstoffen: Bronze, Stahl, Draht, Wachs, Gips und Ton. Bis März 2020 war Helga Kaes hauptberuflich bei einer Bonner Tageszeitung beschäftigt. Während dieser Zeit hat sie sich in ihrer Freizeit mit der bildenden Kunst beschäftigt, in diversen Workshops und offenen Ateliers mitgearbeitet und sich bildhauerisch weitergebildet. Seit März 2020 arbeitet sie hauptberuflich als Bildhauerin.
https://helga-kaes.de/

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29.05.2026 19:30
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