Heinrich Hauser, der letzte Autodidakt. Lesung mit Stefan Weidle anlässlich der Wiederveröffentlichung des Romans "Donner überm Meer"
Einen unbedingt wiederzuentdeckenden Roman der 1920er Jahre stellen Stefan und Barbara Weidle uns an diesem Abend vor und mit Heinrich Hauser einen bemerkenswerten Autor des letzten Jahrhunderts.
Donner überm Meer ist ein Roman, der die Sehnsucht nach Versöhnung von Mensch und Maschine und nach einem Frieden zwischen Natur und Mensch beschreibt.
Irland im Dauerregen: Ein Schriftsteller klettert mühsam auf den Turm eines verfallenen Schlosses. Er ist allein und will allein sein, um einen Roman zu vollenden. Dieser handelt von einem Mann und einer Frau, die sich in nächtlicher Großstadt begegnen. Er ist Flieger, sie kommt gerade aus einer zwielichtigen Arztpraxis. Er nimmt sie mit auf sein Zimmer, doch bevor er etwas über sie erfahren kann, muss er den Notarzt rufen. Die Handlung des Romans wird fragmentarisch erzählt, und immer wieder schaltet sich der Erzähler ein, beschreibt sein vagabundierendes Leben in Irland und seine Übersiedelung nach Hamburg, wo er am Hafen ein Zimmer bezieht. Irgendwie ist er mit seiner Geschichte verwoben, man ahnt, dass er nicht nur einen Roman schreibt.
Donner überm Meer, 1929 bei S. Fischer erschienen, ist ein bemerkenswertes Buch: Roman und kein Roman, Reisebericht und wieder nicht. Doch gerade der freie Umgang mit Form, Inhalt und Sprache fesselt. Hauser gelingen Naturschilderungen von großer Kraft und die Verbindung scheinbar im Gegensatz zueinander stehender Dinge: Mensch und Technik, Mann und Frau, Stadt und Natur, Lärm und Stille, Leben und Tod.
Heinrich Hauser wurde 1901 in Berlin geboren. Er schrieb Romane, Reisebücher und Firmenschriften, übersetzte u. a. Liam O`Flaherty, fotografierte, filmte, fuhr zur See und flog. 1938 emigrierte er in die USA. 1949 kehrte er nach Deutschland zurück und wurde für kurze Zeit Chefredakteur des »Stern«. Er ist am 25. März 1955 in Diessen am Ammersee gestorben.
Barbara und Stefan Weidle gründeten 1994 den Weidle Verlag, der seit 2024 als Imprint des Wallstein Verlags fortgeführt wird. Ein wichtiges Anliegen des Verlags ist es weiterhin, die Geschichten von Krieg, Flucht und Migration in der Literatur abzubilden und Texte aus dem deutsch-jüdischen Exil einem größeren Publikum zugänglich zu machen. Stefan Weidle übersetzt seit etwa 1990 aus dem Englischen und Französischen. Als Verleger und Herausgeber hat er viele Werke der Exilliteratur begleitet. Barbara Weidle studierte Kunstgeschichte und Journalismus.
Foto: Susanna Wengeler
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